Irenes Bericht 2026 - 15 Jahre St.Peter's
Erstmal losgehen! St. Peter' s - „unsere“ Schule in Uganda - von den Anfängen bis heute! Nach meinem Stipendium der Carl – Duisberg - Gesellschaft 1995, mit dem ich als Ergotherapeutin mit Kindern mit Behinderung in einem zentralugandischen Dorf arbeitete, hatte ich ehrlich genug vom „Entwicklungsbusiness“. Aber: Meine Dorfkolleginnen hatten es mir angetan, gestandene Dorfschullehrerinnen, die morgens um sechs mit der Hacke aufs Feld gingen, von 8- 16.00 Uhr dann in die Schule und abends dann, nachdem die eigenen Kinder Wasser und Holz besorgt hatten, für die Familie am Feuer kochten. Sie hatten uns ungeheuer freundlich aufgenommen. So habe ich in den folgenden Jahren die Bildung für einige Kollegenkinder finanziert. Das Geld dafür bettelte ich mir im Freundeskreis zusammen. Ronald Mulondo – unser Schulgründer- war einer dieser Studenten. 2009 gewann er bei einem TV- Quiz ein Stück Land. Für ihn war klar, dass er darauf eine Schule bauen wollte. Als er mir in einem (Luftpost-!) Brief diese Idee unterbreitete, habe ich klar abgelehnt. Meine eigene finanzielle und persönliche Situation schloss ein so riesiges Projekt auf jeden Fall aus. Als ich wenig später Fotos der ersten Klassen- und Büroräume - aus selbst hergestellten Ziegeln bis auf Traufhöhe hoch gemauert - geschickt bekam, war ich echt geschockt. Zusatzinformation: „Jetzt brauchen wir dringend Wellblech für die Dächer- die Regenzeit kommt.“ Es war klar, dass tropischer Regen ohne Weiteres die ganze Arbeit zunichte machen konnte. Also bat ich um eine Kalkulation: die ersten Dächer sollten 4000 Euro kosten. Ich entschloss mich, das zusammenzubetteln. Ab da ging es immer weiter: LehrerInnen, die bei Ronald Mulondo studiert hatten, waren bereit, zunächst als Volontäre zu arbeiten. SchülerInnen- meist Waisen, die die Schule zuvor hatten abbrechen müssen- standen mit Sack und Pack vor der Tür. Die Schule wurde registriert und im Februar 2011 eröffnet. Alles war provisorisch: In den Klassenräumen wuchs noch Gras. Das Wasser wurde auf einem Nachbargrundstück geholt. Gekocht wurde vom Schulgründer persönlich in einem Riesentopf auf einem Dreisteinefeuer. Die uns „zugelaufenen „ Schüler gehörten ganz verschiedenen Jahrgängen an. So kam es, dass 2012 im Herbst schon erste staatliche Prüfungen stattfanden. Sie kosteten so viel Gebühren, dass mein Sparbuch alle war und auch klar war: das können wir nie wieder machen, ich muss dieses Projekt dringend wieder los werden. Ich hatte zufällig verschiedene Begegnungen mit Menschen, die in Uganda zu tun hatten, die ich bitten konnte, hinzufahren und Fotos zu machen. Ich schickte auch unangemeldet andere ugandische Freunde hin, um zu gucken, ob dort tatsächlich ein Schulbetrieb stattfand. Im Mai 2013 fuhren wir zu dritt hin: mit Silke Lochas, die 1993 mit dem gleichen Stipendium im gleichen Dorf gewesen war und Damaris Nimz aus der Fennpfuhlgemeinde, die sich sehr interessierte. 2014 konnten wir einen schuleigenen Brunnen bauen mit Geldern von Brot für die Welt. 2015 gab es einen Besuch mit 7 Personen aus der Fennpfuhlgemeinde: Lara Wehlan, Maria Szepek, Ulrike Wilson, Jens Galley, Christiane Springer, Sebastian Tauscher und ich. Alle waren zum ersten Mal in Afrika, 2016 und 17 war ich alleine dort, 2018 war Ronald Mulondo in Berlin zu Besuch. Im Januar 2020 haben wir ein weiteres Projekt mit Brot für die Welt gemacht und eine Wasserdampfdestillationsanlage zur Herstellung pflanzlicher ätherischer Öle importiert. Ab März 2020 war in ugandischen Schulen lockdown (für die Grundschüler 2 Jahre lang!). Für die Sekundarschulen begann ein ermüdendes auf und zu. Wir verpflegten 800 Personen (Personal und Familie). Auf dem Fußballplatz wurde in dieser Zeit Gemüse angebaut! Wir gewöhnten uns an, Videokonferenzen zu machen. Ende 22 wollte ich fliegen, aber es gab einen Ebolaausbruch. 2023 war ein Besuch wieder möglich, am Jahresende sogar noch einer. Diesmal begleitete mich Anne Kühl, Lehrerin aus Berlin. Mit Mitteln der deutschen Botschaft hatten wir schon mal Lehrerwohnhäuschen bauen können, 2023 dann bekam die Schule eine Bäckerei. Mit dem Ende der Coronazeit hatte Uganda für Sekundarschulen ein neues Curriculum vorgegeben, das berufsbildenden Unterricht in entsprechenden Werkstätten vorschreibt. Alle Schulgebäude, die wir im Lauf der Jahre gebaut haben, waren einfache Bauten, Erdgeschoss mit Blechdach. Ugandische Sponsoren haben dann größer gebaut: einen dreistöckigen Mädchenschlafsaal, einen dreistöckigen Jungenschlafsaal mit Werkstätten im Erdgeschoss, ein dreistöckiges Oberstufengebäude. Die Aula (2018) sowie der Speisesaal (2025) wurden in Eigenarbeit gestartet und wir haben Gelder für die Dachfinanzierung aufgetrieben. 2024 hat Ronald Mulondo zum zweiten Mal Deutschland besucht und war in Lichtenberg zu Gast. Das ursprüngliche Schulgelände war schnell zu klein, ein Nachbar hat sein Grundstück überschrieben, weil er von der Arbeit der Schule beeindruckt war. Ein Großteil dieses zusätzlichen Landes war sehr sumpfig. Das war ein paar Jahre später gut, denn ägyptische Nachbarn fingen an, Reis anzubauen und waren genau an dem Sumpfland interessiert. So hat St. Peter's durch geschickte Verhandlungen/ Landtausch ein weiteres Stück gutes Straßenland erworben. Hier soll im kommenden Jahr das neue Sportgelände entstehen. Die Schülerzahl lag 2025 bei 3200. 2024 hat St. Peter' s im landesweiten Ranking unter 20 000 Sekundarschulen Platz 43 belegt. Nach wie vor ist ein großer Anteil von ihnen Waise und/ oder mittellos, die zahlenden Schüler müssen die anderen quer finanzieren. Die Kosten sind in den letzten 15 Jahren enorm gestiegen (Verpflegung für ein Internatskind monatlich 42 Euro, das waren vor fünfzehn Jahren unter 5 Euro). Es haben jetzt schon ein paar tausend Kinder einen Schulabschluss, weil wir es gewagt haben, mitzumachen. Unser Beitrag hat sich in den letzten Jahren auf 50- 80 000 Euro jährlich eingependelt, finanziert aber nur noch einen Bruchteil der Gesamkosten. Das ist eine gute Entwicklung. Ganz zu Beginn unserer Reise haben wir den damaligen Schmöckwitzer Pastor Siegfried Menthel um Rat gebeten. Sollten wir uns auf so ein Projekt einlassen? „Geht erstmal los, der Weg wird sich dann schon zeigen...“ war seine Antwort. Hinter den trockenen Zahlen stecken viele Geschichten von Herzblut, Angstschweiß, Gebet, Staunen. Und vor allem: Dankbarkeit. Irene B. Jacobsen
